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Green Music Fahrrad Disco: öko-korrektes Clubbing in Berlin

Schon der Name ist geil: Green Music Fahrrad Disco. Dahinter verbirgt sich eine nicht minder coole Idee, und wo sonst als in Berlin hätte man auf diese kommen können? Gut, in Rotterdam vielleicht, wo sich das WATT schon seit langer Zeit mit dem Thema Öko-Clubbing auseinandersetzt. Jetzt aber Berlin. Worum geht es? Es geht um Musik und Energie ohne Stromanschluss, so die Veranstalter der Green Music Initiative. Nur wenn sich genügend Menschen bereit erklären, mit ihren Fahrrädern Strom zu produzieren, kann der DJ spielen. Und die Energie zurückgeben. Das funktioniert nur, solange alle bereit sind, etwas zu geben, für das, was sie bekommen. Eigentlich eine ganz einfache Sache. Ok, aber ob wirklich genug Leute Lust haben, dafür die Pedalen zu treten statt auf dem Dancefloor zu zappeln? Premiere ist am morgigen Donnerstag, den 19. August. An der Bar 25 startet die gemeinsame Radtour zu einem geheimen Ort, dort legen dann Bar 25 DJs auf. Aber eben nur, wenn mindestens vier Leute gleichzeitig strampeln. Na, wir sind gespannt, ob die viel zitierte “Energy” beim Raven wirklich was taugt…
Berlin calling? Essen answers! Dokumentation über die Partyszene der Kulturhauptstadt
Über den Film Berlin Calling, Paul Kalkbrenner und seine große Clubtour haben wir uns auf virtualnights.com schon die Finger wund geschrieben. Jetzt, oder besser: Getz kommt die Antwort auf den Berlin-Film aus “unserer” Stadt: “Essen answers” nennt sich ein neues Projekt, das die Clubszene Essens, der Kulturhauptstadt 2010 in Form eines Dokumentarfilms beleuchten will – ähnlich wie andere filmische Ansätze, die wir hier im Blog und auf virtualnights bereits vorgestellt haben. Jetzt also Essen. “Wir versuchen einen möglichst gelungenen Querschnitt der elektronischen Tanzmusik unserer Stadt einzufangen, greifen bei der Auswahl der Clubs, DJs und Producer allerdings auf Freunde und Bekannte aus dem engeren Umfeld zurück, schreiben die Initiatoren rund um den Producer roisHh. Klingt nach einer netten Sache, und noch netter: Alle Essener, die sich in der Clubszene tummeln, sind zum Mitmachen aufgerufen: DJs, Producer, Club-Macher und Feiernasen können sich unter www.roishh.com/seiten/essen.htm informieren und bewerben. Ende des Jahres soll der Film fertig sein.Offizielle Filmseite:
www.essen-answers.de
Vom Big Bang zu Bambi: Dominik Eulberg lädt ins Planetarium
Dass Dominik Eulberg durch sein Interesse für die Welt der Vögel – auf seinem Album Flora und Fauna stellte der Hobby-Ornithologe diverse Exemplare vor – einen Sonderstatus unter den DJs einnimmt, ist bekannt. Jetzt performt der Tausendsassa aus dem Westerwald auf der diesjährigen Time Warp in einer ganz besonderen Location: Im Planetarium Mannheim wird er sein Auditorium in Vom Big Bang zu Bambi auf eine audiovisuelle Rundreise durch die Natur mitnehmen. Dabei geht es um Themen wie Harmonielehre, Distanzen im Universum und natürlich Vogelgesang. Schon 2009 wurde das Planetarium zur Time Warp-Location, damals mit einem Kopfhörerkonzert von DJ Koze. Das Video dazu oben.
Location: Planetarium
Willhelm-Varnholt-Allee 1 (Europaplatz)
68165 Mannheim
Uhrzeit: 20:00 Uhr
Eintritt: 10,- € VVK zzgl. Gebühr, 12,- € Abendkasse
After Hours: neue Web-Doku über die Berliner Club- und Partyszene

Ja, die Technoszene ist schon spannend. So spannend, das sich nicht nur diverse Bücher wie Lost and Sound oder aktuell Liebestänze und Strobo mit der Szene beschäftigen, sondern auch diverse Filme, wie wir hier berichteten. Jezt wird die mediale Spiegelung von Friede, Freude, Eierkuchen und schrägen Gestalten aus den Tiefen der Nacht um ein weiteres Format ergänzt. Eine Web-Doku mit dem Namen After Hours besucht ab dem 16. November Stationen und Protagonisten der Berliner Partyszene. Sie ist im Sommer 2009 entstanden und sucht nicht nur die Spielstätten des aktuellen Technoturniers auf, sondern will anhand von Gesprächen mit Szene-Köpfen auch viele Einblicke in die Vergangenheit geben. AKA AKA wird beim Auflegen auf der Spree zugeschaut. Oliver Koletzki, 2005 von der Groove zum “Best Newcomer” gewählt, und DJ, Labelinhaber und Bar25-Besitzer Danny Faber plaudern über ihre Anfangszeit in der Techno-Kapitale. Zu sehen ist das Ganze auf 3min – immer montags und freitags wird eine neue Folge hochgespielt – und ist auch auf dem Handy zu sehen. Praktisch, falls jemand sich zu diesen Zeiten immer noch oder schon wieder auf einer Party befinden sollte…
Dancecult: Akademisches Projekt zur Techno, Rave und Co.
Das passt zur allgemein wachsenden wissenschaftlichen und künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Dance Music: In Zusammenarbeit mit dem renommierten CCSR (Centre for Cultural Studies Research) der Universität East London haben Graham St. John und Eliot Bates das Projekt Dancecult aus der Taufe gehoben. Es besteht aus einer weltweiten Mailingliste zu Dance-relevanten Themen, einer Publikationsliste mit aktuell 285 Büchern und Artikeln rund um das Thema (teilweise online lesbar) sowie einer eigenen Zeitschrift, die sich zum Beispiel mit der Rave-Kultur in China (wir berichteten hier) befasst und einschlägige Veröffentlichungen wie den Film We Call it Techno rezensiert. Insgesamt eine überaus erfreuliche Sache und einen Bookmark wert!
Keine Angst, es sind nur Silent Raver!
In britischen und amerikanischen Großstädten, allen voran natürlich New York und London, finden derzeit immer mal wieder witzige Ableger der Flashmob-Bewegung statt: Hunderte, manchmal Tausende von Leuten, die sich zu ihrer Kopfhörermusik bewegen. Tanzen ohne Massenbeschallung – Silent Raves. Die funktionieren so:
- Verabredung über bekannte Wege (Social Networks, Mailinglisten etc.)
- jeder bringt seine eigene Musik mit (MP3-Player, Kopfhörer)
- Treffen zum vereinbarten Zeitpunkt an vereinbarter Stelle
- zehn Sekunden vor Beginn des Raves startet der Countdown
- und (erst) dann darf zur eigenen Musik abgeravt werdenAllerdings bekommen mittlerweile auch die offiziellen Stellen immer früher Wind von den Silent Raves. Ein Rave in Norwich am 21. Februar wurde von der Polizei kurzerhand aufgelöst….
International Music Summit Ibiza 2009: Keynote mit Richie Hawtin
Der zweite International Music Summit, der in diesem Jahr auf Ibiza stattfindet, verspricht eine große Veranstaltung für das elektronische Musikbusiness zu werden. In dieser Woche wurden die ersten Panel-Teilnehmer bekannt gegeben. Keynote-Gast wird Minimal-Wizard Richie Hawtin sein. IMS-Kurator Ben Turner wird ein einstündiges Gespräch mit dem Künstler, DJ, Produzenten und Labelmacher halten. Richie Hawtin freut sich auf den Summit: “I heard great reports about the first IMS, and as this is a critical time for the industry and the world at large, this intimate gathering feels more important now than ever before. I am excited to share my experiences and vision for the future with the leaders of the genre.”
Außerdem dabei:
Rob da Bank, Artist, Bestival / Sunday Best, BBC Radio 1, UK
Matt Edwards, Artist, Radioslave / Rekids, Germany
Enric Palau, Sonar, Spain
Mark Grotefeld, Pioneer Europe, UK
Sander Kleinenberg, Artist, Holland
James Barton, Cream, UK
Mark Jones, Wall of Sound, UK
Marc Marot, SEG International (Manager – Paul Oakenfold), UK
David Enthoven, IE Music (Manager – Robbie Williams, Sia), UK
Cathy Guetta, F**k Me I’m Famous, Parisund noch viele mehr. Der Termin: 25. bis 27. Mai 2009, Gran Hotel Ibiza.
Unser Bericht aus dem letzten Jahr
www.internationalmusicsummit.com
Lost and Sound: Schlendern durch Techno-Berlin mit Tobias Rapp
Als Abschluss unserer völlig ungeplanten Blogreihe zum Thema Berlin nun ein Buch, das in ganz wunderbarer Weise den Phänomenen Techno, Feiern, Club- und Musikkultur beim Passieren über die Schulter schaut: Lost and Sound. Den Drink in der Hand, mit wippender Hüfte, schlendert Autor Tobias Rapp durch die neue, für das ungeschulte Auge nicht auffällige Partymeile Berlins vom Alex bis zur Warschauer Straße. Er besucht die Technokathedrale Berghain, den “Zirkus” Bar 25, das schicke Watergate und das Week12End. Unterwegs kommen bei Rapp viele Impulsgeber dieser besondersten aller Clublandschaften zu Worte: Ricardo Villalobos, Christoph Klenzendorf oder Tresor-Ikone Dimitri Hegemann.
Aber auch darum geht es: Um Druffis und Durchis. Um die Rave-Mama, die immer noch feiern geht, während ihre ins Partyalter kommende Tochter sich zu Hause Sorgen macht. Um französische Jungschnösel, die die Clubs leertrinken, spanische Feierfreundeskreise und britische Electroboys, die das Clubprogramm des Wochenendes im Vorfeld auswendig gelernt haben. Sie alle kommen freitags eingeflogen: 10.000 Easyjetset-Raver sind es an einem Wochenende, schätzt Rapp. Umgekehrt muss der Berliner DJ gar nicht mehr für ein paar Euro in der Hauptstadt spielen, sondern fliegt – auch mit dem Billigflieger – für eine gute Gage zum Auflegen in europäische Destinationen. Er ist heuer gefragt: Er kommt aus Berlin. Und zu Hause wiederum, in der Bar 25, spielen alle DJs für pauschal 200 Euro. Auch Kaliber eines Richie Hawtin, die so die Haftung zur Basis der Szene wahren und es genießen, einfach mal der Typ zu sein, der gerade auflegt.
Rapp ist mit phänomenologischer Beobachtungsgabe und echter Leidenschaft unterwegs. Da werden feine Binnendifferenzen zwischen den Berghain-Residents Marcel Dettmann und Ben Klock austariert – und die Beschreibung ihrer Stammlocation ist eine seitenlange Hommage an das wahre Feiern. Man merkt: Da hat ein Raver im Herzen sein Büchlein dabei gehabt, hat hie und da was reingeschrieben und ist dann noch mal eine Runde tanzen gegangen. So liest sich Techno am besten.
Tobias Rapp: Lost and Sound
Berlin, Techno und der Easyjetset
250 Seiten, 8,50 EUR
Suhrkamp Verlag


