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The Knife bringen Darwin auf die Bühne: Electro-Oper über Die Entstehung der Arten
Elektronische Musik und klassischer Kulturbetrieb mögen sich ja seit geraumer Zeit gern. Beispiele gibt es zuhauf, etwa die Reflections On Classical Music, Paul van Dyk, der gemeinsame Sache mit dem hr-Sinfonieorchester macht oder Moritz von Oswald und Carl Craig, die Ravel und Mussorgsky recomposed haben. Nicht zu vergessen die Yellow Lounge-Events, die Klassik in Berliner Clubs bringen. Ein neues Beispiel für die Engführung von U und E liefern The Knife: Sie haben den Sound zu einer Oper über Charles Darwin produziert. Als Grundlage für diese Elektro-Oper diente der 150 Jahre alte Aufsatz “Die Entstehung der Arten” Darwins und stellt auch den Menschen Darwin vor. Musikalisch ist es eine Symbiose aus künstlerischen, futuristischen Effekten und und extra dafür aufgenommen Naturgeräuschen.
Nach Athen und Stockholm im Januar und Februar wird die Oper am 5. Juni in den Städtischen Bühnen Münster (!) zu sehen sein. Weitere Termine werden noch bekannt gegeben.
Das gesamte Album kann jetzt im Stream angehört werden und zwar hier.
Nachwuchsförderung bei M_nus und Get Physical

Die Berliner Elektroniklabel M_nus und Get Physical tun was für den Nachwuchs: Beide haben eine Aktion ins Leben gerufen, mit dem sie unbekannten Künstlern einen kleinen Karriere-Anschub bieten wollen.
Zum einen wäre da Embed von M_nus: Dieses Projekt richtet sich an Kreative aus allen möglichen Bereichen wie Video, Sound, Web Design, Fotografie, Kunst und Mode etc. Die Teilnehmer schicken ihr Projekt an das Label. Im Rahmen eines mehrstufigen Selektionsprozesses, in dem die Projekte für die Öffentlichkeit auf Partys und Events zu sehen sein werden, wird dann die beste Einreichung herausgefiltert, dessen Künstler dann langfristig in die M_nus-Familie eingebettet wird. Der erste Minus Embed-Künstler ist Cem Yardimci aus der Türkei mit einem genre-übergreifenden Video-Crossover. Das Video gibt es hier.Get Physical gibt Nachwuchs-Künstlern die Gelegenheit, einen selbst produzierten und bis dato noch nicht veröffentlichten Track als 320 kbps-MP3 an das Label zu schicken. Am Ende jedes Monats wird ein Gewinner gekürt, der ein Geschenkepaket mit dem neuesten Get Physical-Material sowie einem Beatport-Gutschein im Wert von 50 Dollar erhält. Nach Ablauf der Zeit werden alle fünf Gewinner-Stücke von der Label-Jury angehört und ein Sieger gekürt: Dieser Track wird dann auf der nächsten Full Body Workout-Compilation von Get Physical vertreten sein.
Human Synthesizer: Aufmerksamkeitsstarke Single-Promo von Calvin Harris
Da hat sich Calvin Harris, der hierzulande über sein Stück Acceptable in the 80s ja vor allem mit GNTM in Verbindung gebracht wird, etwas Feines ausgedacht, um seine neue Single Get Ready for The Weekend zu promoten: Mit Hilfe von Kontakt herstellender Spezialfarbe kann er die Spuren der Single auf einem menschlichen Sythesizer spielen (lassen), der aus 15 Frauen besteht. Die natürlich in Bikinis ihren Job verrichten. Aufmerksamkeitsstark, eben. Oben das Making of, wer das Ergebnis oder mehr Bikinis sehen möchte, klicke bitte hier.
SonarKids: musikalisches Festival-Forum für die Jüngsten
Eine schöne Idee der Macher des Sonar-Festivals in Barcelona: Am 21. Juni findet erstmalig im Rahmen des Riesenevents das SonarKids statt, ein ganzer Tag mit Musik und Workshops speziell für die Jüngsten (und ihre Eltern). Unter anderem wird es einen DJ-Workshop geben, eine HipHop-Masterclass und eine Bastelsession, in der die Kids sich lustige Tierkopf-Filzmasken kreieren dürfen. Ein Highlight dürfte der construction workshop werden: Hier werden Formen und Figuren aus 30.000 Legosteinen gebaut. Ziel ist es, den Kids Spaß an der Musik und der Kreativität zu vermitteln – das dürfte gelingen. Mit dabei sind unter anderem Laurent Garnier und die Puppetmastaz.
Lost and Sound: Schlendern durch Techno-Berlin mit Tobias Rapp
Als Abschluss unserer völlig ungeplanten Blogreihe zum Thema Berlin nun ein Buch, das in ganz wunderbarer Weise den Phänomenen Techno, Feiern, Club- und Musikkultur beim Passieren über die Schulter schaut: Lost and Sound. Den Drink in der Hand, mit wippender Hüfte, schlendert Autor Tobias Rapp durch die neue, für das ungeschulte Auge nicht auffällige Partymeile Berlins vom Alex bis zur Warschauer Straße. Er besucht die Technokathedrale Berghain, den “Zirkus” Bar 25, das schicke Watergate und das Week12End. Unterwegs kommen bei Rapp viele Impulsgeber dieser besondersten aller Clublandschaften zu Worte: Ricardo Villalobos, Christoph Klenzendorf oder Tresor-Ikone Dimitri Hegemann.
Aber auch darum geht es: Um Druffis und Durchis. Um die Rave-Mama, die immer noch feiern geht, während ihre ins Partyalter kommende Tochter sich zu Hause Sorgen macht. Um französische Jungschnösel, die die Clubs leertrinken, spanische Feierfreundeskreise und britische Electroboys, die das Clubprogramm des Wochenendes im Vorfeld auswendig gelernt haben. Sie alle kommen freitags eingeflogen: 10.000 Easyjetset-Raver sind es an einem Wochenende, schätzt Rapp. Umgekehrt muss der Berliner DJ gar nicht mehr für ein paar Euro in der Hauptstadt spielen, sondern fliegt – auch mit dem Billigflieger – für eine gute Gage zum Auflegen in europäische Destinationen. Er ist heuer gefragt: Er kommt aus Berlin. Und zu Hause wiederum, in der Bar 25, spielen alle DJs für pauschal 200 Euro. Auch Kaliber eines Richie Hawtin, die so die Haftung zur Basis der Szene wahren und es genießen, einfach mal der Typ zu sein, der gerade auflegt.
Rapp ist mit phänomenologischer Beobachtungsgabe und echter Leidenschaft unterwegs. Da werden feine Binnendifferenzen zwischen den Berghain-Residents Marcel Dettmann und Ben Klock austariert – und die Beschreibung ihrer Stammlocation ist eine seitenlange Hommage an das wahre Feiern. Man merkt: Da hat ein Raver im Herzen sein Büchlein dabei gehabt, hat hie und da was reingeschrieben und ist dann noch mal eine Runde tanzen gegangen. So liest sich Techno am besten.
Tobias Rapp: Lost and Sound
Berlin, Techno und der Easyjetset
250 Seiten, 8,50 EUR
Suhrkamp Verlag
Cabaret Voltaire: neue Techno-Dada-Location in Berlin
Eine neue Location in Berlin bringt elektronische Musik und Dadaismus zusammen: Das neue Cabaret Voltaire in der Gärtnerstraße, benannt nach der Räumlichkeit, in der 1916 die Kunstform des Dada definiert wurde, ist Ausstellungsraum, Partylocation und Radiostation in einem. Spannend! Die Macher schreiben auf ihrer Webseite: “Dada hat uns inspiriert. Cabaret Voltaire steht für uns als Synonym für eine Plattform, aus der wie von selber Energie entsteht. Nicht der einzelne ist ausschlaggebend, sondern das Zusammentreffen verschiedenener ist es.” Beschreibungen, die auch für das gemeinsame Erleben von Technomusik zutreffen. Die Engführung des dadaistischen Ansatzes mit elektronischer Musik und avanciertem Feiern liegt insofern nur allzu nah. Man darf gespannt sein, wie sich die Location entwickeln wird. Das aktuelle Programm und alle Infos hier:
Nachtrag 23. Februar: Bei der Eröffnungsveranstaltung der Location kam es zu einer regelrechten Saalschlacht, berichtet Sonett 77. Das ist stilecht!
Party like it´s 1989: Dr. Motte und weitere Loveparade Berlin-Pioniere blicken zurück
Vor 20 Jahren, am 1. Juli 1989, zog die erste Loveparade durch West-Berlin. Während es mit der Parade in Bochum einstweilig vorbei ist, legen in Berlin die Pioniere der Techno-Szene unter der Schirmherrschaft von Dr. Motte eine ganze Nacht lang im Haus der Kulturen der Welt auf: Party like it´s 1989. Dr. Motte zu den Anfängen der Parade: „1989. Wir verlieren die gewohnte Orientierung und gewinnen neue Dimensionen. Berichte aus London lassen uns eine Gemeinschaft werden mit der weltweiten Tanzgemeinde der neuen Musikrevolution. Davon inspiriert laufen wir über den Ku’damm und sind die erste Loveparade. Friede Freude Eierkuchen. Musik ist unsere Sprache. Tanzen unsere Kultur. Unsere Vision: Freiheit.“
In den folgenden Jahren wird die Loveparade zu einem kulturellen Großereignis und Techno zu einer neuen Jugendbewegung, deren Strahlkraft mittlerweile die letzten verborgenen Winkel der Welt erreicht hat. Party like it´s 1989 bringt die Pioniere der Berliner Techno-Szene wieder zusammen: Mijk van Dijk, der als einer der ersten Techno aus Berlin produzierte. Tanith!, der schon 1990 galt er als der erste Tekkno-DJ galt. Hardy Hard, der als Hardsequenzer in der Großrave-Welt zum Star wurde und immer noch auf dem Label „Electric Kingdom“ veröffentlicht. Außerdem dabei: Jonzon, Rok und Ronny Pries. Es verspricht, ein interessanter Abend mit Diskussionen, Anekdoten und natürlich jeder Menge elektronischer Musik zu werden! Eintritt: frei.
Video-Tutorial: How to DJ mit Sarah Main am CDJ-400
Online-Tutorials werden immer beliebter und das Format Video spielt dabei eine entscheidende Rolle. Jetzt gibt es auch eines für alle, die ihr DJ-Glück an CD-Playern versuchen wollen, genauer an einem der Standardmodelle der Unterhaltungsbranche, dem CDJ-400 von Pioneer. Die Ibiza-Szeneikone Sarah Main erklärt in fünf Videos (zwei davon sind bereits online) alles vom Setzen des cue points über das Justieren der Tracks bis zu mixtechnischen Finessen. Für jeden blutigen Anfänger nachvollziehbar und überaus sympathisch präsentiert!
Hier geht es zur Tutorial-Reihe auf DJSounds.com.
Wir haben Sarah Main im letzten Jahr interviewt – der Beitrag ist hier.
Audiodigitale: Neues Elektronik-Festival im Oktober
In Sachen elektronische Großevents ist Dortmund in diesem Jahr ziemlich weit vorne dabei: Erst die traditionelle Mayday, dann die Loveparade im Juli, im August das Juicy Beats Festival und im Oktober zum zweiten Mal das Hardstyle-Event Syndicate. Und brandneu: die Audiodigitale, ein Festival für elektronische Musik und Visual Art, das erstmals am 17. und 18. Oktober in der Phönix-Halle sowie in den Clubs Versteck und domicil stattfinden wird. Live-Acts und DJs aus der weltweiten Elektronik- und Ambientszene, Videojockeys und Visual Artists werden zwei Tage lang “Spielarten elektronischer Musik an der Grenze zwischen Experiment und Popkultur” vorstellen. Zusätzlich werden Workshops zu den Bereichen elektronische Popkultur, VJ-Tools und Digitale Musikdistribution angeboten. Ausrichter ist die Agentur Sternschaltung.





