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Hardcover: Lesungen, Musik und Tanz im WMF Club, Berlin

Das WMF ist eines der interessantesten Clubphänomene Berlins: Seit Mitte der Neunziger gibt es den Laden oder eben nicht. Mehrere Male wechselte der Standort, und immer gab es auch längere Pausen. Zuletzt rund drei Jahre geschlossen, wird jetzt in neuer Location wieder gefeiert. Und ab sofort monatlich auch vorgelesen: Hardcover heißt eine neue Reihe, die der Club zusammen mit dem Blumenbar Verlag, dem Berliner Verlag und dem Maxim Gorki-Theater ausrichtet. Hier werden Autoren aus ihren neuen Werken vorlesen, dazu gibt es Performances und Live-Musik – und auf “clubbiger” Seite Barbetrieb und sogar eine kleine Tanzfläche. Beim ersten Termin am 3. Dezember gibt es u.a. Gedichte von Leonard Cohen und ein DJ-Set von Mirko Hecktor aka MKO, der das Buch Mjunik Disco herausgebracht hat.
Mehr Infos:
www.hardcover-club.de
After Hours: neue Web-Doku über die Berliner Club- und Partyszene

Ja, die Technoszene ist schon spannend. So spannend, das sich nicht nur diverse Bücher wie Lost and Sound oder aktuell Liebestänze und Strobo mit der Szene beschäftigen, sondern auch diverse Filme, wie wir hier berichteten. Jezt wird die mediale Spiegelung von Friede, Freude, Eierkuchen und schrägen Gestalten aus den Tiefen der Nacht um ein weiteres Format ergänzt. Eine Web-Doku mit dem Namen After Hours besucht ab dem 16. November Stationen und Protagonisten der Berliner Partyszene. Sie ist im Sommer 2009 entstanden und sucht nicht nur die Spielstätten des aktuellen Technoturniers auf, sondern will anhand von Gesprächen mit Szene-Köpfen auch viele Einblicke in die Vergangenheit geben. AKA AKA wird beim Auflegen auf der Spree zugeschaut. Oliver Koletzki, 2005 von der Groove zum “Best Newcomer” gewählt, und DJ, Labelinhaber und Bar25-Besitzer Danny Faber plaudern über ihre Anfangszeit in der Techno-Kapitale. Zu sehen ist das Ganze auf 3min – immer montags und freitags wird eine neue Folge hochgespielt – und ist auch auf dem Handy zu sehen. Praktisch, falls jemand sich zu diesen Zeiten immer noch oder schon wieder auf einer Party befinden sollte…
20 Jahre Mauerfall – 20 Jahre Clubkultur. Tagung und Clubnacht in Berlin
20 Jahre Mauerfall heißt auch 20 Jahre Berliner Clubkultur. Die Clubcommission Berlin e.V. veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Hauptstadtkampagne be Berlin die Ausstellung „Flyersoziotope“, eine Fachtagung zum Thema Berliner Clubkultur und eine Clubnacht.
Leise raven für das Klima: Silent Climate Parade, Berlin
350 Raver tanzen am 24. Oktober vom Potsdamer Platz zum Alexanderplatz, zur Musik von Dr. Motte und Dirty Doering (Bar25). So weit, so bekannt, das Prinzip. Aber: Nur die 350 Demonstranten hören den Sound, da sie mit Funkkopfhörern ausgestattet sind. Bewegungen, Aktionen und Choreografien der Teilnehmer werden für unbeschlagene Passanten rätselhaft bleiben, wir man es von Silent Raves kennt.
Die Parade ist emissionsfrei, der Wagen wird von einem Elektromobil gezogen und die Musikanlage von Powershuttles mit Solarstrom angetrieben. Die Aktion eine von mehr als 2252 Veranstaltungen in mehr als 151 Nationen und wird von 350.org koordiniert, um die Politiker der Welt dazu zu bringen, schnell und effektiv gegen globale Erwärmung vorzugehen. Das ist die größte globale Kampange, die je um ein wissenschaftliches Resultat herum organisiert wurde: 350 ppm (Teilchen pro Million) CO2 ist laut jüngsten wissenschaftlichen Ergebnissen die sichere Obergrenze für die Atmosphäre.
The International Turntable Orchestra: Platten-Spiele in Berlin

Turntablism kennt man vor allem aus dem HipHop, mit Scratching- und Mixing-Techniken. Doch auch in anderen musikalischen Stilen hat die Manipulation des Plattenspielers Anwendung gefunden: In der Musique Concrete wurden hauptsächlich vorgefundene Klänge verfremdet. Im Fluxus begannen viele Künstler mit der Dekonstruktion der Geräte selbst: Platten wurden zerschnitten und wieder neu zusammengesetzt. Oder in den Plunderphonics, wo es vor allem um die schnelle Abfolge unzähliger kurzer Zitate unterschiedlichster musikalischer Herkunft geht. Die Vielfalt des Turntablism wird jetzt im Rahmen der Veranstaltung T.I.T.O. (The International Turntable Orchestra) vorgestellt: 14 der derzeit interessantesten Turntablisten ihre individuellen künstlerischen Ansätze darbieten. Sie alle loten den Plattenspieler als Instrument bis an die Grenzen des Möglichen aus, und das in verschiedenen Besetzungen vom Solo über Duoformationen bis hin zum Orchester. Termin: 22. bis 25. Oktober, Akademie der Künste, Berlin. Mehr Informationen: tito.zangimusic.de.
Nachwuchsförderung bei M_nus und Get Physical

Die Berliner Elektroniklabel M_nus und Get Physical tun was für den Nachwuchs: Beide haben eine Aktion ins Leben gerufen, mit dem sie unbekannten Künstlern einen kleinen Karriere-Anschub bieten wollen.
Zum einen wäre da Embed von M_nus: Dieses Projekt richtet sich an Kreative aus allen möglichen Bereichen wie Video, Sound, Web Design, Fotografie, Kunst und Mode etc. Die Teilnehmer schicken ihr Projekt an das Label. Im Rahmen eines mehrstufigen Selektionsprozesses, in dem die Projekte für die Öffentlichkeit auf Partys und Events zu sehen sein werden, wird dann die beste Einreichung herausgefiltert, dessen Künstler dann langfristig in die M_nus-Familie eingebettet wird. Der erste Minus Embed-Künstler ist Cem Yardimci aus der Türkei mit einem genre-übergreifenden Video-Crossover. Das Video gibt es hier.Get Physical gibt Nachwuchs-Künstlern die Gelegenheit, einen selbst produzierten und bis dato noch nicht veröffentlichten Track als 320 kbps-MP3 an das Label zu schicken. Am Ende jedes Monats wird ein Gewinner gekürt, der ein Geschenkepaket mit dem neuesten Get Physical-Material sowie einem Beatport-Gutschein im Wert von 50 Dollar erhält. Nach Ablauf der Zeit werden alle fünf Gewinner-Stücke von der Label-Jury angehört und ein Sieger gekürt: Dieser Track wird dann auf der nächsten Full Body Workout-Compilation von Get Physical vertreten sein.
BerMuDa: Popkomm-Ersatz mit gigantischem Line-Up
Schaut man sich das Aufgebot an, mit dem die Berlin Music Days, kurz BerMuDa, die ausgefallene Popkomm vertreten werden, dann sieht das schon eher nach Verdrängung und lange geplantem Putsch aus. Unter Mitwirkung aller relevanten Clubs wie Berghain, Tresor, Maria, Watergate, Weekend, Icon, Arena etc. bis hin zum von M_nus-Mastermind Richie Hawtin initiierten Saturday Adventure Club im Postbahnhof wird BerMuDa in seiner Summe dem internationalen Publikum ein Lineup der Superlative präsentieren. Hinzu kommen Tagesevents in den Clubs, die Business-Charakter haben werden (Panels, Diskussionen, Präsentationen), aber für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Für 2010 ist die Einrichtung von Möglichkeiten zum ungezwungenen Businessmeeting am Nachmittag und Labelcamps in zentral gelegenen und gut erreichbaren Locations geplant. “Als Hauptstadt der elektronischen Musik ist die Stadt längst in der Lage, mit den hier ansässigen Künstlern und Labels die Stadt in ein Mekka für musikbegeisterte Menschen aus der ganzen Welt zu verwandeln, denn die Koryphäen der elektronischen Musikszene haben längst ihren Wohnsitz nach Berlin verlagert, zu einladend sind die Freiräume und künstlerfreundlichen Strukturen der Stadt”, so die Veranstalter. Wird die Popkomm damit aufs Abstellgleis geschoben? Oder belebt Konkurrenz auch das Geschäft der Ur-Musikbusiness-Veranstaltung? Warten wir es ab. Das Programm der an BerMuDa teilnehmenden Clubs in der Woche vom 16.9. – 19.9.2009. findet sich hier:
Mehr Infos in Kürze!
Tresor.award 2009: bester Nachwuchs-DJ gesucht
Traumjob DJ: Hinter den Decks zu stehen, liegt derzeit auf Platz Sieben jugendlicher Berufsziele. Die Berliner Techno-Institution Tresor hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, talentierte und ambitionierte Nachwuchs-DJs zu finden und zu fördern. Basis dafür war die Idee von zwei Musik– und Medienmanagement-Studenten des L-4 Instituts Berlin. Sie beschlossen im Rahmen ihres Diplomprojektes, den Tresor.award 2009 ins Leben zu rufen. Dieses Projekt soll nationalen Plattendrehern die Chance geben, einen Schritt nach vorn in ihrer Entwicklung zum professionellen DJ zu machen.
Am 3. August geht es los: Interessenten können auf www.tresorberlin.de ihr 30-Minuten-Promoset hochladen. Eine Fachjury (bestehend u.a. aus Musikjournalisten, Bookern und DJs) kürt aus dem Bewerberpool 18 Finalisten, die ab Oktober acht Wochen lang vor internationalem Techno-Publikum ihr Können unter Beweis stellen. Pro Abend treten drei der 18 DJs gegeneinander an und am Ende jeweils drei der sechs Besten. Die beiden Gewinner dürfen sich dann “Rookies of Tresor” nennen, sie erwartet eine exklusive einjährige Betreuung durch das Label Tresor, inklusive Coachings, Promopackage und weitere nationale Bookings.Mehr Informationen hier und auf www.tresorberlin.de
Lost and Sound: Schlendern durch Techno-Berlin mit Tobias Rapp
Als Abschluss unserer völlig ungeplanten Blogreihe zum Thema Berlin nun ein Buch, das in ganz wunderbarer Weise den Phänomenen Techno, Feiern, Club- und Musikkultur beim Passieren über die Schulter schaut: Lost and Sound. Den Drink in der Hand, mit wippender Hüfte, schlendert Autor Tobias Rapp durch die neue, für das ungeschulte Auge nicht auffällige Partymeile Berlins vom Alex bis zur Warschauer Straße. Er besucht die Technokathedrale Berghain, den “Zirkus” Bar 25, das schicke Watergate und das Week12End. Unterwegs kommen bei Rapp viele Impulsgeber dieser besondersten aller Clublandschaften zu Worte: Ricardo Villalobos, Christoph Klenzendorf oder Tresor-Ikone Dimitri Hegemann.
Aber auch darum geht es: Um Druffis und Durchis. Um die Rave-Mama, die immer noch feiern geht, während ihre ins Partyalter kommende Tochter sich zu Hause Sorgen macht. Um französische Jungschnösel, die die Clubs leertrinken, spanische Feierfreundeskreise und britische Electroboys, die das Clubprogramm des Wochenendes im Vorfeld auswendig gelernt haben. Sie alle kommen freitags eingeflogen: 10.000 Easyjetset-Raver sind es an einem Wochenende, schätzt Rapp. Umgekehrt muss der Berliner DJ gar nicht mehr für ein paar Euro in der Hauptstadt spielen, sondern fliegt – auch mit dem Billigflieger – für eine gute Gage zum Auflegen in europäische Destinationen. Er ist heuer gefragt: Er kommt aus Berlin. Und zu Hause wiederum, in der Bar 25, spielen alle DJs für pauschal 200 Euro. Auch Kaliber eines Richie Hawtin, die so die Haftung zur Basis der Szene wahren und es genießen, einfach mal der Typ zu sein, der gerade auflegt.
Rapp ist mit phänomenologischer Beobachtungsgabe und echter Leidenschaft unterwegs. Da werden feine Binnendifferenzen zwischen den Berghain-Residents Marcel Dettmann und Ben Klock austariert – und die Beschreibung ihrer Stammlocation ist eine seitenlange Hommage an das wahre Feiern. Man merkt: Da hat ein Raver im Herzen sein Büchlein dabei gehabt, hat hie und da was reingeschrieben und ist dann noch mal eine Runde tanzen gegangen. So liest sich Techno am besten.
Tobias Rapp: Lost and Sound
Berlin, Techno und der Easyjetset
250 Seiten, 8,50 EUR
Suhrkamp Verlag
Cabaret Voltaire: neue Techno-Dada-Location in Berlin
Eine neue Location in Berlin bringt elektronische Musik und Dadaismus zusammen: Das neue Cabaret Voltaire in der Gärtnerstraße, benannt nach der Räumlichkeit, in der 1916 die Kunstform des Dada definiert wurde, ist Ausstellungsraum, Partylocation und Radiostation in einem. Spannend! Die Macher schreiben auf ihrer Webseite: “Dada hat uns inspiriert. Cabaret Voltaire steht für uns als Synonym für eine Plattform, aus der wie von selber Energie entsteht. Nicht der einzelne ist ausschlaggebend, sondern das Zusammentreffen verschiedenener ist es.” Beschreibungen, die auch für das gemeinsame Erleben von Technomusik zutreffen. Die Engführung des dadaistischen Ansatzes mit elektronischer Musik und avanciertem Feiern liegt insofern nur allzu nah. Man darf gespannt sein, wie sich die Location entwickeln wird. Das aktuelle Programm und alle Infos hier:
Nachtrag 23. Februar: Bei der Eröffnungsveranstaltung der Location kam es zu einer regelrechten Saalschlacht, berichtet Sonett 77. Das ist stilecht!




